Eine von einer Millionen

 Am 21.8.17 kam uns Frau Petra Röder (69, ehemalige Grundschullehrerin aus Bomlitz) am Gymnasium Walsrode besuchen. Sie besucht fleißig Schulklassen, um ihnen das Schicksal ihrer Tante Dorothea Kasten (1907–1944) und vieler anderer näherzubringen.

Dorothea Kasten gehörte zu den vielen Euthanasie-Opfern der Nazi-Zeit; sie war „Eine von einer Millionen“, wie sich Frau Röder ausdrückte.

Als Dorothea mit neun Jahren an einer Hirnhautentzündung erkrankt, hinterlässt diese schwerwiegende Folgen. Nach kurzer Zeit treten Symptome wie Aggressivität auf. Daraufhin beschließt Dorotheas Mutter, sie in die Alsterdorfer Anstalt in Hamburg zu bringen. Eine Zeitlang fühlt sie sich dort sehr wohl, doch nach einer Bombennacht 1943 wird sie mit anderen Bewohnern der Anstalt nach Wien verlegt. Dort mangelt es stark an Betreuung, Pflege und ausreichender Ernährung. Als es Dorothea immer schlechter geht, schlagen die Ärzte vor, Dorothea einzuschläfern. Ihre Mutter stimmt ihnen schweren Herzens zu. Bis zu ihrem Tod verfolgte sie diese Entscheidung.

Frau Röder erzählte uns nicht nur, wie es der Familie und Dorothea in dieser Zeit ging, sondern brachte auch Fotos, Protokolle und die erste Fibel von Dorothea mit. Selbst lernte Frau Röder ihre Tante nicht kennen, doch aus Erzählungen ihrer Mutter und anderer Verwandter konnte sie das Schicksal Dorotheas nachvollziehen und ihre Schlüsse fassen.

Unsere Fragen beantwortete sie mit Freude, zum Beispiel:

• Was würden Sie ihrer Tante sagen, wenn Sie die Möglichkeit dazu gehabt hätten? „Sie würde ihr sagen, dass alle sie lieb hatten und sie sie gerne kennengelernt hätte.“
• Könnte sich die Geschichte wiederholen? „Ja, das tut sie bereits – teilweise.“

Fidaa EL Doukhi und Gina-Marie Schuster für die 10e

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