Besuch der 10b und 10e im Konzentrationslager Bergen-Belsen

Genau wie für die Häftlinge fing unsere Reise in der Vergangenheit Bergen-Belsens in einem Güterwaggon an der ehemaligen Verladerampe an. In ihnen wurden Juden, Homosexuelle, Behinderte sowie Sinti und Roma (im Volksmund „Zigeuner“), allesamt Gegner der Nationalsozialisten, zusammengepfercht und in die Konzentrationslager deportiert. Tage bis Wochen sind Kinder sowie Alte und Kranke eng zusammengepfercht in ihnen festgehalten worden. Die Frage ist: Wer kann so eine Reise überleben, und vor allem: Wohin geht es?

Erinnerungen an die vor Ort begangenen Verbrechen des Nationalsozialismus wach zu halten – dies ist die Aufgabe, die sich die Gedenkstätte Bergen-Belsen gegeben hat.

Bergen-Belsen wurde ursprünglich als Truppenübungsplatz für die Wehrmacht errichtet. Im Zweiten Weltkrieg (1940–1945) diente Bergen-Belsen zunächst als Kriegsgefangenenlager für belgische und französische Kriegsgefangene. Nach dem Überfall auf die Sowjetunion kamen noch etwa 21.000 russische Gefangene hinzu. Im April 1943 wurde ein Teil des Lagers von der SS übernommen. Dieser Teil wurde als „Austauschlager“ für jüdische Häftlinge umfunktioniert. Ab März 1944 kamen auch andere verfolgte Gruppen hinzu. Insgesamt kamen mindestens 52.000 Häftlinge zu Tode, ob durch Hunger oder Krankheiten. Am 15. April 1945 wurde das Konzentrationslager von britischen Soldaten befreit. Diese fanden tausende Leichen und todkranke Menschen vor. Selbst nach der Befreiung kamen noch unzählige der ehemaligen Gefangenen durch die Folgen von Krankheiten zu Tode. Nach der Befreiung richtete die britische Armee ein Camp für sogenannte „displaced persons“ ein, also Menschen, die durch den Krieg nicht mehr in ihre alte Heimat zurück konnten. Im DP-Camp lebten zeitweilig bis zu 12.000 überwiegend jüdische Überlebende. Die wohl im Nachhinein bekanntesten Gefangenen sind Anne Frank und ihre Schwester Margot, auch ihre Gräber kann man sich heute noch vor Ort anschauen.

Das Wetter ist grau und kühl, als könnte es nicht passender sein. Wir wandern genau wie tausende von Menschen vor uns über die Wege, vorbei an den Massengräbern, auf denen Sätze stehen wie „Hier ruhen 500 (800, 1000, …) Tote, April 1945“, die zum internationalen Denkmal führen. Dieses hat die Form eines Obelisken mit einer Wand dahinter, auf der in allen möglichen Sprachen Gedenksprüche stehen wie: „to the memory of all those who died in this place“ (im Gedenken an all die, die an diesem Ort starben) oder: „In tiefer Trauer und tiefer Ehrfurcht gedenken wir Sinti der Opfer unseres Volkes. Durch ihren gewaltsamen Tod sind sie den Lebenden Mahnung zum Widerstand gegen das Unrecht.“

Nachdem wir das Gelände gesehen haben, geht es in die Ausstellung (erneuert 2007), in der noch einmal die Geschichte des Lagers nachlesbar ist. Hier wird den ehemaligen KZ-Häftlingen und Kriegsgefangenen soweit wie möglich ihre Stimmen, ihr Gesichter und ihre individuellen Geschichten zurückgegeben. Als wir an diesem dunklen und nassen Tag wieder in Walsrode ankommen, haben wir eine Reihe an Eindrücken und Stimmungen im Gepäck. So schnell lässt uns Bergen-Belsen nicht los – und dies muss wohl auch so sein.

Håkon Jamne und Niklas Eggersglüß, 10e

Quellen: Zeit für Geschichte. Gymnasium Niedersachsen 9/10 (2017), Christian Chmelensky (und andere), Seite 149.
https://bergen-belsen.stiftung-ng.de/de/ihr-besuch/ausstellungen/

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