Weltwärtshelfer Hannes Wieprecht besucht die Entwicklungshilfe-AG

Hannes Wieprecht, ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums Walsrode, kehrte erneut zurück. Was hatte er dieses Mal zu berichten?

Der Schüler verbrachte ein Jahr in Kambodscha, wo er Kindern in sechs verschiedenen Klassen vor allem Englisch unter der Children’s Dream Organisation unterrichtete. Seine Erfahrungen teilte er uns, der Entwicklungshilfe AG, mit.
Was uns alle zunächst überraschte: Seine Schule konnte nur mit Spenden, z. B. denen des Gymnasiums Walsrode, weiter bestehen. „Eine Schule ganz in der Nähe von mir musste geschlossen werden, da der Besitzer des Grundstückes sein Land für landwirtschaftliche Nutzung zurückverlangte. Dadurch mussten einige der freiwilligen Helfer aus meinem Freundeskreis den Standort wechseln“, so Hannes Wieprecht.

Das Schulsystem Kambodschas erklärte unser Besucher wie folgt: Vormittags lernen die Schüler in einer öffentlichen Schule. Dabei handelt es sich um sechs Stunden, wobei Pausen inbegriffen sind. Anschließend gibt es zum einen die Möglichkeit, am Nachmittag freiwillig eine Privatschule zu besuchen. An genau so einer NGO-Schule arbeitete Hannes und im Nachhinein betonte er stark, wie froh er darüber sei, da die Schüler in einer solchen Nachmittagsschule auch wirklich die Motivation zum Lernen hatten. Zum anderen müssen viele, und zwar die meisten, Schüler nachmittags auf dem Feld arbeiten, wodurch ihnen die Möglichkeit, am Nachmittag weiter zu lernen, verwehrt bleibt.

Bei Kambodscha handelt es sich um ein Entwicklungsland, was sich deutlich in der Landwirtschaft und im Alltag der Einwohner widerspiegelt. Beispielsweise können es sich viele Familien nicht leisten, dass ihre Kinder in der Erntezeit zur Schule gehen. Hannes berichtet, dass aus diesem Grund mehrere seiner männlichen Schüler einfach ohne Vorwarnung für einige Zeit verschwanden und manchmal sogar nie mehr zurückkehrten. Ein weiterer Faktor, der die Arbeit auf dem Feld verkompliziert, ist das fehlende Budget für Erntemaschinen, weshalb für die Getreideernte vor allem Sicheln verwendet werden müssen. Darüber hinaus wurden die Produkte mit Pick-up Trucks transportiert, wobei die Arbeiter und Familienmitglieder hinten auf der Ladefläche saßen.

Das unerwartete Verschwinden der Schüler und Schülerinnen lässt sich jedoch auch dadurch erklären, dass die Kosten für die Nachmittagsschule für die meisten Familien zu hoch sind, selbst wenn sie keinesfalls mit dem Preis einer europäischen Privatschule zu vergleichen sind. Ähnlich findet man die Situation bei den Kindergärten vor: Pro Monat müssen fünf Dollar (4,50 Euro) gezahlt werden, was in Kambodscha schon ein beachtlicher Betrag für einen solchen Zweck ist. Infolgedessen trifft man häufig arbeitstätige Eltern mit ihren Kindern auf der Arbeit an.

Zu den Highlights von Hannes‘ Aufenthalt in Kambodscha zählt er seine zahlreichen Marktbesuche, zu denen er mit seinem Motorrad fuhr. Für 10.000 Riel (kambodschanische Währung) konnte er einen kompletten Großeinkauf durchführen, obwohl es sich dabei nur um knappe 2,50 Euro handelt. Außerdem war dies auch einer der Orte, an denen der ehemalige Schüler des Gymnasiums seine Khmer Sprachkenntnisse anwenden konnte. „Das Verständigen mit einfachen Sätzen auf dem Markt fiel mir nach kurzer Zeit sehr leicht“, teilte uns der derzeitige Student mit. Seine Lieblingsspeisen waren dabei Frösche, Kröten und Heuschrecken, welche „wie Popcorn“ frittiert werden. Fledermäuse sowie Skorpione gehörten zu den exquisiteren Speisen, die Hannes jedoch weniger mochte. Ein weiteres seiner Highlights stellte eine Dschungel Tour dar, bei der er unter anderem auf einem Elefanten ritt.

Zu den negativen Erinnerungen an das Jahr zählt unter anderem der Geruch nach Abfall auf den Straßen zu Beginn seines Aufenthaltes, vor allem weil der Müll häufig verbrannt wurde. Doch dies fiel unserem Besucher am Ende kaum mehr auf, da er sich so sehr an sein Umfeld gewöhnt hatte. Um jedoch aktiv bei der Verschönerung seines Umfeldes mitzuhelfen, nahm Hannes an dem sogenannten Cleaning Day teil, welcher einmal im Monat stattfand und eine große Aktion zum Aufsammeln des Mülls von den Straßen darstellte. Insgesamt betrachtet Hannes Wieprecht seinen einjährigen Aufenthalt in Kambodscha als eine großartige Erfahrung, die er wirklich jedem weiterempfehlen kann.

Seiner Meinung nach hat die finanzielle Unterstützung der Entwicklungshilfe AG seine Zeit am Arbeitsplatz sowie die Schulzeit der Kinder stark im positiven Sinne beeinflusst, was uns wirklich freut und uns sehr für zukünftige Projekte motiviert.

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